Dies erfolgte aus der Sorge, dass durch Fahrzeuge hervorgerufene Erschütterungen den Traubenmost verderben und somit den Reifeprozess der Weine beeinträchtigen könnten. Der erste schriftliche Hinweis auf eine Qualitätskontrolle und Weingarantie stammt aus dem Jahr 1650. Im Jahre 1787 wurde die „Real Sociedad Económica de Cosecheros de Rioja” (königlicher Wirtschaftsverband der Rioja-Winzer) mit dem Ziel gegründet, Weinanbau, Weinbereitung und Weinhandel zu fördern. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand in der Stadt Haro der Brauch der Batalla del Vino (Schlacht des Weines), dieses große Stadtfest wird bis heute jährlich gefeiert.
Einer der Rioja-Pioniere war der Marqués Camilo Hurtado de Amézaga, der 1860 auf seinem 200 Hektar großen Weingut eine Bodega nach Bordeaux-Vorbild errichtete und Reben aus dem Bordeaux anpflanzen ließ. Nach der Reblausinvasion Mitte des 19. Jahrhunderts wanderten viele französische Winzer in diese Gegend aus und gaben dem Weinbau damit auch französische Impulse. Im Jahre 1902 erfolgte ein königlicher Erlass mit der Definition der Herkunft für die Rioja-Weine und einer Etikettierungs-Regel. Ein im Jahre 1926 gegründeter Kontrollrat wurde mit den Aufgaben betraut, das Rioja-Gebiet zu begrenzen, die Ausgabe eines „Garantiesiegels” zu überwachen und den Namen Rioja zu schützen. Im Jahre 1953 wurde der Kontrollrat der Herkunfts-Bezeichnung Rioja gegründet, der auf Grund von organoleptischen Proben und analytischen Untersuchungen prüft, ob der Wein den strengen Bestimmungen gerecht wird. Im Jahre 1991 verlieh ein Ministererlass dem Herkunftsgebiet Rioja das Attribut „calificada” (qualifiziert) und erhob es so zur ersten höchsten spanischen Qualitätsstufe DOCa. Der Name der DO und des Weines leitet sich vom Fluss Oja ab (Rio Oja). Der über 100 Kilometer lange große Bereich liegt an beiden Ufern des Ebro sowie an den Hängen der angrenzenden Hügel. Es herrscht ein mildes Klima mit kurzem Sommer und schönem Herbst vor. Die traditionelle Erziehungsform ist die buschförmige En Vaso (Gobelet), doch setzt sich immer mehr die Drahtrahmen-Erziehung durch. Die wichtigste Rioja-Rebsorte ist Tempranillo, die mit knapp 28.000 Hektar rund 60% der Rebfläche ausmacht. Die häufigste weiße Sorte ist Viura mit 8.000 Hektar.
Rund 75% des Rioja wird als Rotwein, 15% als Rosé und nur 10% als Weißwein produziert. Der rote Rioja wird zu 80% aus der Hauptsorte Tempranillo mit Anteilen von Garnacha Tinta (Grenache Noir), Graciano und Mazuelo (Carignan), sowie den seit Jahrgang 2007 erlaubten Maturana Parda und Maturana Tinta gekeltert. Von der früher üblichen Beigabe von weißen Sorten ist man abgekommen. Experimentiert wird seit einiger Zeit auch mit Cabernet Sauvignon und Merlot, die mit einer Sondergenehmigung verwendet werden dürfen. Die Rotweine werden nahezu ausschließlich trocken ausgebaut. Der Rosé wird auch halbsüß vermarktet. Der weiße Rioja wird aus Viura (Macabeo), Malvasía Riojana und Garnacha Blanca, sowie seit 2007 den neu zugelassenen Sorten Chardonnay, Sauvignon Blanc (zusammen maximal 50%), Maturana Blanca, Tempranillo Blanco, Turruntés (Torrontés) und Verdejo gekeltert. Der grünlich-gelbe Wein wird zumeist trocken hergestellt. Die „gebietsfremden” Rioja-Sorten dürfen im Gegensatz zu den klassischen einheimischen nicht am Etikett angeführt werden. Jährlich werden rund 180 Mio Liter Riojas erzeugt, ein Drittel wird in 70 Länder exportiert. Rioja wird in drei Subzonen gegliedert:
Rioja Alta: Die 24.000 Hektar große Zone mit der Stadt Haro als Weinzentrum liegt südlich des Ebro-Flusses und westlich der Stadt Logrono. Das Klima ist unter Einfluss des Atlantiks von heißen Sommern, milden Herbsten und kühlen Wintern geprägt. Die Weingärten liegen auf Ablagerungs-Böden, durchmischt mit kalk- und eisenhaltiger Tonerde. Die dominierende Rebsorte ist Tempranillo, gefolgt von Mazuelo und Graciano, die alle etwas dickere und extraktreichere Schalen wie in den anderen zwei Rioja-Bereichen entwickeln. Hier werden die besten und finessenreichsten Riojas produziert. Die körperreichen Weine mit hohem Anteil an Säure und Tanninen sind für einen Fassausbau hervorragend geeignet.
Rioja Alavesa: Die 12.000 Hektar große Zone liegt nördlich des Ebro-Flusses im Baskenland. Das Klima ist ähnlich dem in Rioja Alta, in den Weingärten herrschen Kalk-Tönböden vor. Die bestimmende Rebsorte ist Tempranillo mit einer etwas dünneren Schale. Hier überwiegen leichte, fruchtige und würzige Rotweine mit mittlerem Alkohol- und Gesamtsäure-Gehalt. Sie können als Jungweine konsumiert werden, sind aber auch für den Fassausbau geeignet. In der Regel sind sie nicht so lagerfähig wie jene aus Rioja Alta. Rioja Baja: Die 20.500 Hektar große Zone östlich von Logrono ist die wärmste und trockenste. Hier herrscht mediterranes Klima mit geringeren Niederschlagsmengen vor. Die Weingärten liegen überwiegend auf eisenhaltigen Tonerden mit Ablagerungen. Die dominierende Rebsorte ist die rote Garnacha. Hier gibt es extraktreiche, alkoholreiche Rotweine mit bis zu 15% vol sowie Roséweine. Die aromatischen und oft frühreifen und jung zu genießenden Weine gelten als nicht so edel wie der beiden anderen Rioja-Gebiete.
Die früher prinzipielle Gepflogenheit, die Rioja-Flaschen mit goldfarbenem Drahtgeflecht zu umwickeln (siehe unter Alambrado), wird heute nur mehr teilweise praktiziert. Die traditionelle, immer noch dominierende Weinbereitung wird durch lange Fasslagerung in 225-Liter-Fässern aus amerikanischer Eiche geprägt. Dies ergibt Weine mit fast bräunlicher Farbe, typischen Vanille-, Gewürz- und Zitronen-Noten und weichen Gerbstoffen. Neuerdings wird eine kürzere Fasslagerung und anschließende Flaschenreifung forciert, um die Weine früher trinkreif zu machen. Im allgemeinen dauert der Reifungsprozess im Fass zwischen einem und drei Jahren und wird danach während eines Zeitraums zwischen sechs Monaten und sechs Jahren in der Flasche vollendet. Je nach dem Alterungs- und Reifungsprozess werden die Weine in vier Kategorien aufgeteilt. Die Reifezeiten sind Mindest-Vorgaben, viele Traditions-Bodegas dehnen dies noch extrem aus:
Joven (Jungwein): Der junge Rioja (in weiß, rot und rosé) trägt nur die Bezeichnung „Garantia de Origen” und kommt schon wenige Monate nach der Lese auf den Markt. Er kann aber auch kurz im Eichenfass gereift bzw. ausgebaut sein. Er ist jung zu genießen.
Crianza (gealtert): Rotweine müssen zumindest zwei Jahre ausgebaut werden, davon zumindest ein Jahr im Fass und bis zwölf Monate in der Flasche. Bei Rosé- und Weißweinen genügen sechs Monate Fassausbau. Siehe auch unter Crianza.
Reserva: Rotweine müssen drei Jahre ausgebaut sein, davon zumindest ein Jahr im Fass. Weißweine benötigen je sechs Monate in Fass und Flasche. Rosados (Roséweine) gibt es nicht als Reserva (und auch nicht als Gran Riserva). Siehe auch unter Reserva.
Gran Reserva: Rotweine müssen zumindest 24 Monate im Fass und weitere 36 Monate in der Flasche reifen. Einige Bodegas produzieren langlebige Weißweine, die zumindest sechs Monate im Fass und 42 Monate in der Flasche reifen. Siehe auch unter Reserva.
Vino de Autor: Inoffizielle Bezeichnung (dt. Autorenwein) für Weine spezieller Qualität, die bei besonders guten Jahrgängen aus ausgewählten Trauben in limitierter Menge hergestellt werden. Vor allem wird dies von kleineren Betrieben besonders im Bereich Rioja Alavesa praktiziert, die damit dem Trend der so genannten Garagenweine folgen. Diese zumeist sehr teuren Weine werden mit Flaschenpreisen bis zu € 200 vermarktet.
Es gibt rund 20.000 Winzer, von denen aber über 98% nur Trauben produzieren und an große Kellereien anliefern. Die über 500 Bodegas produzieren jährlich rund drei Millionen Hektoliter Wein, 40% davon geht in den weltweiten Export. Bekannte Produzenten sind Alicia Rojas, Barón de Ley, Berberana, Bilbaínas, Bodegas Altanza, Bodegas Franco Españolas, Bretón Criadores, Campillo, Carlos Serres, Corrál, CVNE, Domecq Bodegas, El Coto de Rioja, Faustino, Finca Allende, La Rioja Alta, López de Heredia, Marqués de Cáceres, Marqués de Griñón, Marqués de Murrieta, Marqués de Riscal, Marqués de Vargas, Martínez Bujanda, Montecillo, Muga, Ontañón, Paternina, Primicia, Puelles, Ramón Bilbao, Remírez de Ganuza, Riojanas, Roda, Telmo Rodríguez, Torre de Oña, Viña Salceda, Viñedos de Aldeanueva, Viñedos del Contino, Viñedos y Bodegas de La Marquesa, Winner Wines. |